Bedeutung des Spiels in der kindlichen Entwicklung

Das Spielen fördert die kindliche Entwicklung so ganzheitlich, wie kaum etwas anderes. Besonders die Selbständigkeit der Kinder wird gefördert und gefordert.
Die Kinder müssen entscheiden, wo, mit wem und was sie spielen wollen. Sie bestimmen, wie lange und wie intensiv dieses Spiel wird. In ihrer fiktiven Spielwelt erleben sie sich als autonom - sie bestimmen, es gibt keinen Erwachsenen, der Regeln aufstellt und sanktioniert. Sie müssen sich mit ihren Spielpartnern auseinander setzen, sich durchsetzen oder nachgeben. Alleine die Entscheidung, gebe ich meinen Vorteil zu Gunsten anderer auf oder setze ich meinen Kopf durch, fordert die Kinder heraus. Sie müssen bedenken, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und gegebenenfalls eine Niederlage einstecken.

Nicht selten führen solche Fragen zu Konflikten mit dem anderen Spielpartner, die dann ausgetragen und verarbeitet werden müssen. Dadurch machen sie Erfahrungen im emotionalen Bereich, wie Freude über den Gewinn, Trauer über die Niederlage oder einfach Wut und Enttäuschung. Sie müssen lernen, alle diese Emotionen zu verarbeiten und auf sie zu reagieren, dabei müssen sie darauf achten, gültige Regeln (nicht hauen, treten, schlagen…) nicht zu verletzen, sondern Wut und Enttäuschung anderweitig zu verarbeiten.
Im gemeinsamen Spiel treten die Kinder miteinander in Kontakt, sie kommunizieren untereinander, was wiederum zur Förderung und oft auch zum Erwerb der deutschen Sprache führt. Das gemeinsame Spielen erleichtert es, neue Kontakte zu knüpfen, Kinder kennen zu lernen und sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Für die Kinder steht dabei an erster Stelle, dass das Spielen Spaß macht. Sie haben Freude dabei, sich auszuprobieren, neue Spiele kennen zu lernen und in ihrer eigenen Spielwelt zu versinken. Bei kaum einer anderen Gelegenheit macht ihnen das Lernen soviel Spaß wie beim Spielen.

Ein weiterer großer Bereich der angesprochen wird ist die Motorik. Beim Bauen, Basteln, Malen, Kneten, Schneiden, ja eigentlich bei allen Spielen wird die Motorik gefordert und gefördert. Die Kinder lernen auf spielerische Weise Bauklötze aufeinander zu legen, was nicht nur die Feinmotorik, sondern auch die Konzentration und je nach Höhe des Turmes auch den Gleichgewichtssinn anspricht, oftmals sieht es mehr als abenteuerlich aus, wie Kinder sich verrenken um unbedingt noch einen wichtigen, letzten Stein auf einen Turm zu legen, der größer ist als sie selbst.
Durch ständiges Wiederholen prägen sich Handgriffe besser ein und Dinge die vor einem halben Jahr noch nicht geklappt haben, stellen auf einmal kein Problem mehr da, hierbei lernen die Kleinen oft von den Großen. Ihr Wissen, das sie selbst am Anfang ihrer Kindergartenzeit von Älteren oder den Erziehern erlangt haben, können sie nun ganz konkret einsetzen. Sie geben Hilfestellungen, zeigen und erklären, das gibt ihnen das Gefühl, etwas zu können, sie werden nicht nur als „die Großen“ bezeichnet, sondern können dies auch endlich einmal beweisen. Für die Jüngeren stellen solche neuen Situationen Herausforderungen dar, auf die sie sich einlassen müssen, die es zu bewältigen gilt.
Da das Lernen beim Spielen eher „unsichtbar“ geschieht, es also für einen Außenstehenden nicht unmittelbar erkennbar ist, fällt es vielen Eltern schwer, das Freispiel als Phase des Lernens anzuerkennen, oft genug fällt der Satz: „Die Spielen ja nur!“, im Zusammenhang mit der Freispielphase.
Viele Eltern unterschätzen den Wert des Spielens oder wissen gar nicht um ihn. Nicht nur im Kindergarten, sondern auch zu Hause.

 

 

Print this Document   Sitemap   Contact  


 
top